Alfa Romeo Aktuell


50 Jahre nach dem Europameister-Titel - Alfa Romeo Giulia Sprint GTA beim ersten „Weekend Italiano Storico" in der Frankfurter Klassikstadt

• 1966 wird Alfa Romeo Tourenwagen-Europameister, Werkspilot Andrea de Adamich holt den Fahrertitel.
• Am 4. September 2016 erinnert der „Gran Premio Alfa Romeo" im Oldtimer-Zentrum Klassikstadt an diese Ära.
• Rund 60 historische Rennwagen drehen Demonstrationsrunden.
• Alfa Romeo Giulia Sprint GTA trifft auf die Konkurrenten von damals.
• Besucher können einzigartigen Motorensound und Fahrerlager-Atmosphäre genießen.

In den 1960er Jahren ist der Motorsport mit Tourenwagen eine große Nummer. Die Langstreckenrennen auf dem Nürburgring, in Monza, Brands Hatch, Budapest oder Zandvoort locken Hunderttausende von Fans an. Sie identifizieren sich stark mit den äußerlich wie Serienautos aussehenden Rennern. Außerdem sind hier - anders als in der zu dieser Zeit von britischen Privatteams dominierten Formel 1 - einige der großen Automobilhersteller werksseitig engagiert.

Alfa Romeo gehört zu den erfolgreichsten Teams. Im Februar 1965 stellt die italienische Traditionsmarke auf dem Autosalon in Amsterdam ein neues Auto vor, das fortan als Basis für Einsätze bei Tourenwagen-Rennen dienen soll: das Modell Giulia Sprint GTA. Hinter dem Zusatz „A" in der Typenbezeichnung verbirgt sich dabei der italienische Begriff „alleggerita", zu Deutsch „erleichtert". Die Leichtbau-Version des schmucken Coupés entsteht bei Autodelta, der offiziellen Motorsportabteilung von Alfa Romeo.

Um das Gewicht zu senken, greifen die Ingenieure tief in die Karosseriestruktur ein. Die komplette Außenhaut wird aus nur 1,2 Millimeter dünnem Peraluman getrieben, einer sehr leichten Aluminium-Magnesium-Zink-Mangan-Legierung. Türen und Motorhaube sowie alle nicht tragenden Teile der Karosserie (innere Abschlussbleche, Windlaufblech, Reserveradwanne) werden aus Aluminium gefertigt. Nur Bodenblech und Dachsäulen bestehen noch aus Stahlblech. Hintere und seitliche Scheiben sind aus leichtem Plexiglas hergestellt.

Optisch ist der GTA durch die zusätzlichen Lufteinlässe in der Front, die Türgriffe in Form leichter Aluminiumschlaufen, Magnesium-Felgen von Campagnolo, die offensichtlichen Nieten der Karosseriebefestigung, Sportlenkrad sowie Aufkleber mit dem legendären Quadrifoglio Verde (vierblättriges Kleeblatt) zu erkennen. Der GTA bringt als Serienfahrzeug schließlich nur noch 745 Kilogramm auf die Waage, über 200 Kilogramm weniger als ein konventioneller Sprint GT.

Der 1,6-Liter-Motor stammt aus dem Entwicklungsprogramm für den GT-Rennwagen Alfa Romeo TZ2. Der Block besteht aus Aluminium, während Ölwanne, Motorstirnwanddeckel, Ventildeckel, Getriebeglocke und hinterer Getriebedeckel aus der Magnesium-Legierung Elektron gegossen werden. Bestückt mit Doppelzündung und zwei 45er Weber-Doppelvergasern leistet er serienmäßig 115 PS.

Doch die offiziell knapp über 500 Mal gefertigte Serienversion ist nur der erste Schritt, um die vorgeschriebene Zulassung zum Rennsport (Homologation) zu erfüllen. Für den Einsatz auf der Rennstrecke bietet Autodelta betuchten Kunden die Corsa-Variante an, die noch einmal stark modifiziert wird. Zu den Unterschieden gehören der 90-Liter-Tank, Ölkühler, Überrollbügel, Sperrdifferenzial von ZF, Stabilisator auch an der Hinterachse sowie der länger übersetzte fünfte Gang. Autodelta hält außerdem weitere Tuningteile wie beispielsweise spezielle Vorderradaufhängungen, die in ihrer Führung modifizierte Gleitstein-Hinterachse oder unterschiedliche Getriebe- und Achsübersetzungen parat. Außerdem fällt die Innenausstattung noch spartanischer aus - die Armaturentafel besteht bei manchen Exemplaren aus einer Art Pappe, die mit Dekorfolie beklebt ist. Für Werksautos werden zeitweise sogar Bodenbleche aus Peraluman verwendet. Dadurch sinkt das Gewicht auf etwa 700 Kilogramm. Die jetzt im Kofferraum installierte Batterie verbessert zusätzlich die Gewichtsverteilung.

Die Motorleistung steigt bei der Corsa-Variante durch die Verwendung anderer Kolben, eines Stahl-Fächerkrümmers mit größerem Querschnitt, schärferer Nockenwellen und eines Staudruckkastens über den Ansaugtrichtern auf rund 170 PS. Der seitlich unter der Fahrertür austretende Rennauspuff sorgt für einen unvergleichlichen Sound.

Tourenwagen-Europameisterschaft 1966 - Marken- und Fahrertitel für Alfa Romeo

Die Tourenwagen-Europameisterschaft 1966 teilt das Teilnehmerfeld in drei Hubraumdivisionen ein: bis 1.000, bis 1.600 und über 1.600 Kubikzentimeter. Wie geplant, wird der Alfa Romeo Giulia Sprint 1600 GTA aus dem Stand zum dominierenden Fahrzeug in der Division 2. In den von Autodelta eingesetzten Werksautos drehen als Stammpiloten die Italiener Andrea de Adamich, Giovanni „Nanni" Galli, Teodore Zeccoli, Giacomo Russo, Ignazio Giunti und Enrico Pinto in wechselnden Kombinationen am Lenkrad. Gelegentlich treten auch die Formel-1-Piloten Jochen Rindt (Österreich) und Lucien Bianchi (Belgien) für Autodelta an. Weitere GTA werden von privaten Mannschaften wie dem belgischen VDS Racing Team eingesetzt. Hauptgegner sind die britischen Ford Cortina mit Lotus-Motor.

Die Saison beginnt mit dem Sieg von De Adamich/Zeccoli beim Vier-Stunden-Rennen in Monza (Italien). Auf dem Flugplatz von Wien-Aspern und im belgischen Zolder gewinnt Ford-Pilot John Whitmore, der auch das zur Europameisterschaft zählende Bergerennen am Mont Ventoux (Frankreich) für sich entscheidet. Runde fünf ist das Sechs-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. In der berühmt-berüchtigten „Grünen Hölle" lassen De Adamich und Zeccoli sogar die stärkeren Fahrzeuge aus der Division 3, darunter auch das BMW-Werksteam, hinter sich und feiern den Gesamtsieg. Der siegreiche Alfa Romeo Giulia Sprint GTA ist im Training außerdem das einzige Auto, das die Nordschleife in weniger als zehn Minuten umrundet.

Saisonhöhepunkt ist das 24-Stunden-Rennen im belgischen Spa-Francorchamps. Autodelta landet in der Division einen Doppelsieg. Bei der Zandvoort Trophy in den Niederlanden und beim 500-Kilometer-Rennen im britischen Snetterton siegt Andrea de Adamich im Alleingang. Hier zeigt er auch wieder der Division 3 die Rücklichter, in der Lokalheld Jacky Stewart (Ford) ein Gastspiel gibt. Beim Vier-Stunden-Rennen in Budapest werden rund 100.000 Besucher Zeuge vom Sieg des Alfa Romeo Werksteams Pinto/Giunti. Auf das Saisonfinale beim Bergrennen in Eigental (Schweiz) verzichtet Autodelta.

Werksfahrer Andrea de Adamich (Italien) ist der Europameister-Titel nicht mehr zu nehmen. Teodore Zeccoli wird hinter John Whitmore EM-Dritter. Alfa Romeo gewinnt außerdem den Markentitel in der Division 2 vor Ford.

Es bleiben nicht die einzigen Erfolge für den Alfa Romeo Giulia Sprint GTA in der Europameisterschaft. De Adamich verteidigt seinen Titel 1967, 1969 wird Alfa Romeo Werkspilot Spartaco Dini (Italien) Champion. Alfa Romeo holt auch in diesen Jahren den Markentitel.

Auch außerhalb der Europameisterschaft feiert der Alfa Romeo Giulia Sprint GTA unzählige Erfolge. Manchmal landen GTA-Piloten wie Jochen Rindt (bei einem TransAm-Rennen in Sebring/USA 1966) sogar Gesamtsiege gegen die hubraumstärkere Konkurrenz. Herbert Schultze wird 1968 und 1969 Deutscher Rundstreckenmeister. Auch bei Bergrennen - Ignazio Giunti (Italien) wird 1967 Berg-Europameister in der Tourenwagen-Kategorie - und vielen Rallyes geht der Siegerpokal an Fahrer eines Alfa Romeo Giulia Sprint GTA.

1970 steigt Alfa Romeo in die Kategorie bis zwei Liter Hubraum auf. Außer den größeren Motor weist der Alfa Romeo Gulia Sprint GTAm auch gewaltige Kotflügelverbreiterungen auf. Prompt wird der Niederländer Toine Hezemans Europameister. Ab 1971 beherrscht die 1300er Variante des Alfa Romeo Giulia Sprint GTAm die kleine Hubraumklasse und holt mit den für Divisionssiege erzielten Punkten noch zwei Europameistertitel in der Markenwertung (1971 und 1972). Dann ist die werksseitige Karriere des Alfa Romeo Giulia Sprint GTA im Rennsport endgültig beendet.

Alfa Romeo Giulia Sprint GTA beim „Weekend Italiano Storico" in der Frankfurter Klassikstadt

Der Europameister von 1966 ist einer der Stars des „Weekend Italiano Storico", das am Wochenende 3./4. September 2016 zum ersten Mal im Oldtimer-Zentrum Klassikstadt in Frankfurt/Main stattfindet. Während am Samstag der „Giro Francoforte" rund 100 Oldtimer ausschließlich italienischer Marken auf eine rund 280 Kilometer lange Ausfahrt durch Vogelsberggebiet und Taunus führt, steht am Sonntag der „Gran Premio Alfa Romeo" auf dem Programm.

Rund 60 historische Rennwagen drehen dabei auf dem weitläufigen Gelände der Klassikstadt (Orber Straße 4a, Frankfurt/Main) Demonstrationsrunden. Ein Sonderlauf ist dem Alfa Romeo Giulia Sprint GTA gewidmet. Zwischen den Showläufen haben Besucher die Gelegenheit, die Renn-Oldtimer im historischen Fahrerlager aus nächster Nähe zu bewundern. Verkaufsstände mit Fan-Artikeln und Probefahrten mit aktuellen Fahrzeugmodellen der Marken Abarth, Alfa Romeo, Fiat, Lancia und Jeep runden das Programm ab.

Ausführliche Infos im Internet unter www.weekend-italiano-storico.de.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Frankfurt, 13. Juni
2016





 




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